Ordner oder keine Ordner?

In dem Artikel Völlig Ordnerlos hat Thomas Mathoi geschildert, dass er weitgehend von Ordnern weg ist. Auch der CEO von Obsidian, Steph Ango, hat in How I use Obsidian erklärt, dass er nur ganz wenige Ordner nutzt.

Bisher habe ich mich stark an PARA von Tiago Forte orientiert. Das System Johnny Decimal hatte ich mir auch mal angeschaut. Bisher war ich absoluter verfechter von einer klaren Ordnerstruktur. Immer öfter habe ich jedoch das Problem, dass ich vor dem erstellen einer Notiz überlegen muss, in welchen Ordner ich sie packe.

Macht es also Sinn, auf eine komplizierte Ordnerstruktur zu verzichten?

Sowohl Thomas Mathoi als auch Steph Ango beschreiben, dass sie ein paar wenige Ordner behalten haben. Teilweise sind diese Ordner systembedingt vorhanden, wie zum Beispiel der Ordner für die Vorlagen. Auch ich habe einen Ordner für die Vorlagen und einen für mein Journal, um sie vom Rest trennen zu können.

In den bisher genannten Strukturen liegt der Fokus auf dem Thema in das die Notiz fällt. Beim Zettelkasten-Prinzip von Luhmann geht es um die Art der Notiz. Es gibt dort 3 (bzw. 4) Arten von Notizen:

  • flüchtige Notizen
  • dauerhafte Notizen
    • zu Literatur oder sonstigen Quellen
    • die eigentlichen Zettel, also die selbstgeschriebenen
  • Projektnotizen

Die flüchtigen Notizen sollen jeden Tag durchgesehen werden und man soll sich so viele Notizen wie möglich machen. Beim Durchsehen soll entschieden werden, ob die flüchtige Notiz es wert ist, eine dauerhafte Notiz zu werden.
Im Prinzip landen die flüchtigen Notizen bei mir in meinem Notizbuch und dann digital in den Einträgen im Journal.

Beim Digital Garden beginnen die Notizen mit Seeds bzw. Samen oder Keimlingen. Diese Keimlinge stellen quasi die flüchtigen Notizen dar, die es wert sind behalten zu werden. Werden diese Keimlinge weiter bearbeitet (gepflegt), sollen sie zu Trees oder Bäumen werden, was den dauerhaften Notizen (oder auch Evergreen Notes) nach Luhmann entspräche.
Am Ende stehen hier die Fruits oder Früchte, die den Output bzw. das Ergebnis darstellen. Im Vergleich zum Zettelkasten sind die Früchte also veröffentlichte dauerhafte Notizen.

Neben der Sortierung nach Thema gibt es also die Sortierung nach Art der Notiz. Während bei der Sortierung nach Thema eine mehr oder weniger komplexe Ordnerstruktur hilfreich ist, benötigt es für die Sortierung nach der Art der Notiz nur einige wenige Ordner.

Ich habe versucht meine Struktur nach der Art der Notiz aufzubauen und habe jetzt noch folgende wenige Ordner

  • Templates
  • Journal
  • Sammelsurium
  • Dauerhafte Notizen
  • Keimlinge
  • Strukturnotizen
  • Archiv
  • Clippings
  • Ich
  • Personen

Wichtig ist auch der Unterschied, dass in diesem System keine Unterordner existieren. Im Ordner Sammelsurium landen alles dauerhaften Notizen zu Quellen, die ich gelesen, gehört oder gesehen habe. Bei den Keimlingen erfasse ich kurze Gedanken, die möglicherweise weiter ausgearbeitet werden. Wenn ein solcher Gedanke weiter wächst, landet die Notiz dazu in den dauerhaften Notizen. Ein paar wenige Strukturnotizen habe ich angelegt, um größere Themenfelder miteinander zu verbinden.

Unter den Clippings sammle ich 1:1 kopien von Webseiten, um sie später in dauerhafte Quellnotizen zu überführen. Im Ordner Ich landet alles für meine persönliche Entwicklung.
Es mag etwas komisch klingen aber ja, ich habe Notizen zu Personen aus meinem Umfeld. Das soll der Beziehungspflege helfen und wichtige Informationen nicht zu vergessen.

Da ich sämtliche Notizen umsoriert habe, ist auch keine verloren gegangen. Ich werde jetzt einige Zeit mit diesem System arbeiten und schauen, ob es besser als das bisherige System funktioniert.

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