Ich bin so ein Typ, der für jede Entscheidung eine Grundlage braucht. Beispielsweise bei der Entscheidung, ob ich jetzt Joplin oder Obsidian nutze. Tagelang denke ich darauf rum, mache mir Listen und versuche eine Erklärung zu finden, wieso Option A besser ist als Option B. Unterm Strich würde ich mich als einen rationalen Menschen bezeichnen.
Auf der Arbeit wurde uns mal vorgeschlagen einen Test zu unseren inneren Saboteueren zu machen. Grundlage für diesen Test ist wohl das Buch Positive Intelligence von Shirzad Chamine. Bei dem Ergebnis dieses Tests kam bei mit heraus, dass ich hyper rational sei. Als ich meiner Frau die Beschreibungen für diesen Typus vorlas, kam sie aus dem Kopfnicken nicht mehr heraus. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich kein Problem mit diesem Ergebnis, eigentlich bis heute nicht. Beruflich ist es sogar sehr praktisch, da ich als Sachverständiger eine logische und nachvollziehbare Argumentationskette mit Belegen aufbauen muss.
Am 30. April 2018 habe ich mich bei chaos.social registriert. Über die Zeit habe ich ein paar Abstecher zu anderen Eintrittstoren in das Fediverse unternommen. Zuletzt hängen geblieben bin ich bei Sharkey über federation.network. Aus irgendeinem Grund wollte ich mal wieder mit Mastodon in das Fediverse einsteigen. Schon rattert es im Gehirn los. Was ist besser? Macht diese Entscheidung sinn? Welche Argumente sprechen dafür, welche dagegen?
Heute Vormittag fing ich an mein neues Bullet Journal für 2026 vorzubereiten. Dabei stolperte ich wieder über die ersten Seiten des leeren Notizbuchs. Hier muss ich dazu sagen, dass ich die Bullet Journal Version von Leuchtturm1917 benutze. Dort sind zwei sich überschneidende Kreise abgedruckt. Einer enthält die Beschriftung „What“ und der andere Kreis die Beschriftung „Why“. In der Schnittmenge befindet sich ein großer Punkt, um den es gehen soll. Nachdem ich mit Bleistift die Seite der Intentions vorskizziert hatte, ging ich unter die Dusche.
Wie das so unter der Dusche ist, fängt man dort auch wieder an über alles mögliche nachzudenken. Mastodon? Sharkey? Warum führe ich eigentlich ein Bullet Journal? Parallel dazu sucht mein Gehirn nach logischen Erklärungen, warum ich das tue, was ich tue und wie ich es tue und warum das alles so sinnig ist. Und dann plötzlich viel mir ein Spruch von Robert Marc Lehmann aus seinem letzten Video von Mission Erde ein. In der Szene ging es darum, warum Noah immer das Versuchskaninchen spielt. Ein Mensch auf dem Boot fragte: „Why always Noah?“ und die Antwort lautete: „Because. Just because.“
Just because. Weil. Das macht alles sehr viel einfacher. Es muss nicht immer eine logische Erklärung oder Argumentationskette geben, an deren Ende eine logische Konsequenz steht. Manchmal kann man auch einfach etwas machen, weil man es möchte. Oder, weil es sich gut anfühlt. Für viele Menschen mag das völlig normal sein, für mich war es das bisher nicht. Die Erkenntnis, nicht immer eine Erklärung für eine Entscheidung haben zu müssen, wird mein Leben sehr viel unkomplizierter machen.

PS: Ich nutze jetzt mal wieder Mastodon bzw. meinen Account auf chaos.social – weil ich lust dazu habe.